5. Der Bote kommt

Mit schwerem Flossenschlag quälte sich ein riesiger Fisch stromaufwärts. Ausgerechnet ihn hatte man gewählt, dachte der silbern , glitzerne Koloss und schob sich Stück für Stück durch die braune Brühe.“ Kaum Luft bekam man in diesem dreckigen Wasser“, blubberte er vor sich hin und blies zum Protest seine Kiemen weit auseinander. Aber ihr kann man ja nichts abschlagen und dachte an die tiefblauen Augen von Aurora, die ihn immer an einen klaren, sauberen Bergsee erinnerten. Seine feuerroten Flossen schlugen bei dem Gedanken freudig erregt auf das Wasser. Diesen roten, durchs Wasser leuchtenden Flossen verdankte er auch seinen Namen, nämlich Rotfeder. Müde kämpfte er sich voran, denn der Weg aus dem Fischweiher war sehr lang. Gerade ,als er meinte eine Rast einlegen zu müssen , entdeckte er den großen Stein, an dem zwei Beinpaare hinunterbaumelten . Hier mußte es sein, dachte der Fisch und zog an der Angel. Er hielt die Schnur fest in seinem riesigen Maul und warf sich hin und her. Endlich hatte ihn das Mädchen bemerkt und rief nach dem Jungen . Der starrte ihn fasziniert von oben herab an und die Rotfeder begann mit der Übermittlung der Botschaft. Er blubberte was er konnte, doch die Kinder schienen ihn nicht zu verstehen. Sollte er den ganzen Weg umsonst hierhergeschwommen sein? Los, Kinder, konzentriet euch!“ Er schwang seinen Körper rhythmisch hin und her, blubberte wie wild und tatsächlich schien der Junge etwas zu vernehmen. Endlich! Wie oft sollte er denn das Gedicht noch herunterbeten. Da! Jetzt hört auch das Mädchen hin! Na bitte!

Helft , denn das Leben wird immer grauer
Zwischen der Natur und dem Herzen liegt eine Mauer
Es zählt nur noch Profit und Habe
Helft und benutzt eure Gabe
Ihr müsst mit dem Herzen sehen
Und auf eine Lange Reise gehen
Den Schlüssel des Lebens gilt es zu finden
Um damit die Zerstörung zu unterbinden
Besiegt den Feind und helft der Hand
Die Gutes ,wie Böses am Anfang erfand
Die Reise führt durch das Wasser zum Stein
Der Bach wird der Anfang des Weges sein.

So, dachte der Fisch, jetzt ist aber Schluß mit dem Geblubber. Halt! Was will der Junge denn noch von ihm? Wie, wo, was, warum, wieso! Was will denn der alles wissen! Sah er etwa aus wie ein schwimmendes Lexikon! Ach ja, den letzten Teil des Gedichtes hatte er doch glatt vergessen. Man ist schließlich nicht mehr der Jüngste:

Vertraut auf ihn, der aus Staub euch gemacht
bleibt reinen Herzens, damit er über euch wacht
Im Gebirge wird ein anderer euch weisen
Gibt Antwort zu eueren Reisen!

Mit einem gewaltigen Flossenschlag gönnte er sich noch das Vergnügen, die Kinder von oben bis unten nasszuspritzen und verschwand.

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