4. Das Kennenlernen

Trotz ihres hohen Alters war Aurora wunderschön . Ihre weißen, langen Haare fielen ihr wie die sanften Wellen des sich gerade aufbäumenden Wassers über die Schultern bis zum Gesäß. Ihre schlanken Hände legte sie langsam auf die Augen und konzentrierte sich. Den grazilen Körper leicht nach vorne geneigt, versuchte sie weit über ihre Grenzen zu blicken. In ihre schneeweiße Haut legten sich tiefe Falten, denn was sie sah, entsetzte sie. Eine Träne lief unter der Hand hervor, die Wange hinab.

Seit ihrer Zeit auf Erden hatte sich viel verändert. Die Bäume trugen kaum noch Blätter und die Wiesen waren braun und verdorrt. War es schon so weit gekommen? War sie zu spät mit ihrer Mission gewesen? Gerade wollte sie wieder enttäuscht die Augen öffnen ,als die Tür des alten Hauses aufging.

Da waren sie! Jetzt sah sie die zwei Kinder unter dem handgeschnitzten Schild, auf dem Weidenhof stand, aus dem Haus hervortreten. Ein Junge und ein Mädchen! Man hatte sie zusammengeführt und somit konnte das Schicksal seinen Lauf nehmen! Aurora lächelte. Die beiden Kinder gingen gemeinsam zum Bach, um dort zu fischen . Sie unterhielten sich und das Mädchen lachte. Dabei warf sie ihren roten Haarschopf zurück und die Sonne zauberte ein Funkenmeer aus ihren Haaren hervor. Sie saßen auf dem großen Stein am Bach und starrten ins Wasser. „Ja ,“ dachte Aurora , „daß war ein guter Treffpunkt !“ Genau hierhin würde sie den Boten schicken. Somit konnte er sie nicht verfehlen, denn es war der Lieblingsplatz der Kinder, das spürte sie. Kaum hatte sie daran gedacht , nahm das Licht um Mirko und Jana einen grauen, nebelartigen Ton an. Die Luft begann sich plötzlich merklich abzukühlen und Jana fröstelte. Die Trauerweide im Hintergrund peitschte unmutig mit ihren langen Zweigen hin und her, als wollte sie etwas vertreiben. Die auf der Wiese stehende Kuh wurde unruhig und muhte laut. Gespenstisch wurde den Kinder zumute und sie erhoben sich rasch, um ins Haus zurück zu gehen .

Aurora schüttelte fast unmerklich den Kopf. Wurden sie beobachtet? Wenn ja, von wem? Langsam nahm sie die Hände von den Augen schritt würdevoll, wie eine Königin zur Tür ihrer Hütte hinaus . Sie mußte den Boten suchen, um die Reise zu beschleunigen, daß war ihr jetzt klar geworden. Keine Minute durfte verlorengehen!

.. Rätsel dieser Geschichte lösen?

.. weiterlesen ..


© Urheberrecht geschützt - 2000/2001 - Stefanie Wallner